| Das
oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich
und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Fortgeschrittene
Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst
nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen. Diejenigen,
die diese Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht mehr für
Besitz und Äußerlichkeiten im Allgemeinen, Bekanntheit
und gesellschaftlichen Stand. Das oberste Ziel des Sufismus
ist die Erkenntnis, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist.
Der
Sufismus ist eigentlich unabhängig von einer Religionszugehörigkeit.
Trotzdem bewegen sich die meisten Sufis innerhalb des orthodoxen
Islams. Ihr Weg vollzieht sich in vier Stufen:
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Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung
-
Aufgeben des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften
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Sterben des Ego
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Auflösung in das göttliche Prinzip
In der sufischen Tradition ist es wichtig, dass das Wissen durch
eine „lebendige Linie“ übertragen wird. Für
den Schüler ist es unerlässlich, sich der geistigen Führung
eines Lehrers anzuvertrauen, der durch eine Überlieferungskette
bis über den Propheten Mohammed mit der göttlichen Wissensquelle
verbunden ist. Der Lehrer gibt jedem seiner Schüler individuelle
spirituelle Übungen, die dem Stand des einzelnen entsprechen
und ihm die Möglichkeit bieten, das Göttliche in sich
wiederzuentdecken.
Der
angestrebte Zustand des Einsseins mit Gott, wird oft in der Trance
erlebt (z.B. bei den drehenden Derwischen, die sich solange um die
eigene Achse drehen, bis sie in Trance geraten, oder durch das Wiederholen
des Satzes „La ilaha il-Allah“ = „Es existiert
kein Gott außer Gott“).
Ein
weiterer wichtiger Bestandteil im Sufismus sind die Lehrgeschichten.
Es handelt sich dabei um Geschichten, die sich mit dem Verhältnis
des einzelnen zu sich selbst und seiner individuellen Entwicklung,
zur Gesellschaft und zu anderen Menschen bzw. mit der Beziehung
zu Gott befassen. Diese Geschichten erscheinen oft einfach, ihre
tiefere Bedeutung ist aber meist sehr fein und tiefgründig.
Das Lernen findet hier nicht nur auf der Verstandesebene statt (z.B.
Lehrgeschichten von Nasruddin Hodscha).
Auf
keinen Fall ist der Sufismus ein theoretisches Studium, sondern
er kann ausschließlich durch praktisches Handeln erfahren
und gelebt werden. Außerdem ist er bis heute lebendig geblieben
und hat seine Dynamik bewahrt, weil er sich den
Veränderungen der Zeiten angepasst hat und sich dementsprechend
gewandelt hat, gleichzeitig aber der Essenz der alten Tradition
treu geblieben ist. |