Bei Tarot handelt es sich um einen Kartensatz, der als Deutungswerkzeug zu spirituellen, esoterischen, psychologischen und divinatorischen (wahrsagerischen) Zwecken benutzt wird. Ein Tarot-Deck besteht zumeist aus 78 Karten. Diese teilen sich in die 22 großen und die 56 kleinen Arkana.

Die großen Arkana bestehen aus 21 durchnummerierten Karten, die Karte des Narren trägt traditionell entweder keine Zahl, oder sie wird mit der Null, seltenener mit der 22 gekennzeichnet.

Die kleinen Arkana bestehen aus vier mal vierzehn Karten: je zehn Zahlenkarten und vier Hofkarten in vier unterschiedlichen Farben. Die Interpretation der Zahlenkarten kombiniert meist die Bedeutung des Elements (der Farbe) mit der numerologischen Bedeutung der Zahl.

Die beiden bekanntesten Decks sind das Rider-Waite- und das Crowley-/Thoth-Tarot. Gelegentlich werden auch Kartensätze als Tarot angeboten, deren Struktur und Abbildungen mit dem eigentlichen Tarot-System nichts zu tun haben, z.B. Lenormandkarten, Kipperkarten oder Wahrsagekarten anderer Systeme.

Vor allem Eliphas Lévi und der von ihm stark beeinflusste Hermetic Order of the Golden Dawn (Hermetischer Orden der goldenen Morgenröte oder kurz Golden Dawn) haben zur Verbreitung des Tarots als Deutungssystem beigetragen. Sowohl Arthur Edward Waite als auch Aleister Crowley waren Mitglieder des Golden Dawn.

Im Golden Dawn wurde viel Wert auf das Tarot als Werkzeug der (Selbst-)Erkenntnis gelegt. So wurde auch der Aspekt des Tarot als Initiationsweg (besonders die 22 großen Arkana) zuerst im Golden Dawn intensiv betont. Diese Idee tritt zum Beispiel im Rider-Waite-Tarot und noch stärker im Crowley-Thoth-Tarot zu Tage. Aleister Crowley weist im seinem Buch "Thoth" außerdem darauf hin, dass Teile der Symbolik nur durch Eingeweihte bestimmter Grade erfasst werden können.

Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum das Ergebnis einer Tarot-Legung Relevanz für die Beantwortung einer Frage haben kann:

  • Die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung stützt sich auf die Synchronizität, also die Existenz nicht-kausaler Zusammenhänge zwischen verschiedenen Systemen. Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird und den Ereignissen im Leben des Fragenden.
  • Die psychologische Erklärung nutzt das Tarot als Projektion, als Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Da die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen symbolisieren, ruft ihr Anblick eine emotionale Reaktion hervor, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Situation korrespondiert. In diesem Sinn kann Tarot Werkzeug zur Selbsterkenntnis, zum Aufspüren unbewusster Gefühle sein, es wird zum Spiegel des eigenen Selbst.

Die Kritiker des Tarot argumentieren häufig, wie bei anderen Arten der Wahrsagerei auch, damit, dass es für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse keinen Beweis gebe. Doch man darf hier die Möglichkeiten des Tarot nicht mit den Ideen der Hollywood-Produktionen verwechseln. Das Tarot kann niemals ein bestimmtes Ereignis bis ins Detail und zeitlich exakt vorhersagen. Es kann aber sehr wohl Tendenzen anzeigen im Sinne von: "Wenn sich an der jetzigen Situation nichts ändert, wird XY eintreten."

Rider Waite Tarot

 

 

 

 

 

 

Crowley oder Thoth Tarot