Voodoo und Santería sind faszinierende Religionen, deren Ursprünge in den Yoruba-Traditionen Afrikas liegen. Aus ihren afrikanischen Dorfgemeinschaften mit Sklavenschiffen in die Neue Welt entführt und zur Arbeit in den Kolonien und zum christlichen Glauben gezwungen, versuchten einige der Sklaven, ihre ursprüngliche Religion und die Hoffnung und Identität, die sie mit ihr verbanden, fortzuführen. Ihr Glaube und ihre Riten vermischten sich mit den Religionen der Einheimischen und dem Katholizismus der Kolonialherren. So stehen etwa Bilder katholischer Heiliger oftmals in Wirklichkeit für afrikanische Götter mit ähnlichen Eigenschaften.

Voodoo (oder Voodou, die kreolische Schreibweise) ist in Haiti auf der Insel Hispaniola beheimatet. Der Begriff „Voodoo“ leitet sich aus einem Wort der westafrikanischen Fon-Volksgruppe für Geist oder auch Gottheit ab und wird oft stellvertretend für verschiedenste afro-amerikanische Religionen benutzt. Charakteristisch sind die Zeremonien, die Musik, der Tanz und die Opfer, durch welche die Teilnehmer durch rituelle Besessenheit mit den Geistern (Loa) kommunizieren. Die einzelnen Geister des umfangreichen Voodoo-Pantheons beherrschen verschiedene Lebensbereiche, von Liebe bis Wohlstand und von Gesundheit bis Familie. Jeder Geist hat dabei seine eigene Identität, seine Symbole, rituellen Objekte, Lieder und Tänze.

Über Jahrhunderte war Voodoo ein Opfer von Furcht, Aberglauben und Ignoranz. Vor allem Elemente wie die Zombifizierung, die Erreichung der Besessenheit in der Trance sowie diverse Opferungen, Schadens- und Abwehrzauber mit Hilfe von Puppen wirken auf Außenstehende zumeist abschreckend. Vor allem die Voodoo-Puppen unterliegen dabei einem Missverständnis: Bei den amerikanischen Sklavenhändlern durften die Sklaven keinen Voodoo praktizieren. Die aus Holz geschnitzten Abbildungen der Gottheiten oder Dämonen waren verboten, und wurden daher als Puppen getarnt.
Heute wird Voodoo hauptsächlich in Benin, der Dominikanischen Republik, Ghana, Haiti, Togo und in den USA (v.a. New Orleans und Miami) praktiziert. Wegen der christlichen Einflüsse unterscheidet sich der amerikanische und karibische Voodoo von seinem afrikanischen Ursprungsglauben. Viele der Einwohner Haitis bekennen sich neben dem Glauben ihrer Vorfahren auch gleichzeitig zum Christentum und bringen katholische Traditionen in ihre Riten ein. In Afrika fließen dagegen Elemente des Islam in den Voodoo ein. In Haiti ist Voodoo als offizielle Religion anerkannt, und in Benin ist Voodoo Staatsreligion.

Santería wird auf Kuba ausgeübt. Eng verwandte Religionen der Yoruba-Tradition werden in etwas abweichender Form auch in Brasilien (Umbanda, Macumba, Candomblé) praktiziert. Die Hauptrichtung der Santería ist „la Regla de Ocha“ im Westen Kubas. Die Anhänger der Santería glauben an eine höchste geistige Macht, die sie Olodumare nennen. Zwischen Olodumare und den Menschen vermitteln die Orishas. Der Kontakt zu den Orishas wird wie im Voodoo mit Hilfe von Ritualen, Gebeten, Orakeln und Opfergaben hergestellt. Sie helfen den Gläubigen dabei, Probleme zu lösen und weiter auf dem spirituellen Weg voran zu kommen.

Bei beiden Religionen wird zwischen verschiedenen Initiationsstufen unterschieden, welche nach strengen Regeln durchlaufen werden. Auch in Europa erfreuen sich heute Voodoo und Santería - wie viele Naturreligionen -  einer wachsenden Anhängerschaft

Baron Samedí

 

 

 

 

 

 

rituelle Voodoo-Fahne